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Ratgeber Aktualisiert 17.09.2026

Warum Betrüger Sie zu Kraken und Bitpanda schicken

Der Weg vom ersten Kontakt bis zur fremden Wallet, Schritt für Schritt erklärt, und die drei Prüfungen, mit denen Sie erkennen, wem eine Wallet gehört.

Geprüft von Stefan Richter, 17.09.2026

Dieser Ratgeber erklärt den einen Schritt, den fast alle Betroffenen im Nachhinein nicht verstehen: Warum man ihnen ausgerechnet ein Konto bei einer echten, regulierten Kryptobörse aufschwatzt und warum trotzdem alles weg ist.

Die Börse ist nicht der Betrug

Sagen wir das zuerst, weil es viele beunruhigt: Kraken, Coinbase, Bitpanda, Bison der Börse Stuttgart, Bitvavo und Bitcoin.de sind echte, regulierte Unternehmen. Sie haben nichts mit dem Betrug zu tun, und Ihr Konto dort ist kein Fehler.

Sie sind die Station davor. Und sie werden benutzt, weil sie echt sind.

Das Problem, das die Täter lösen mussten

Geld direkt einzusammeln funktioniert für diese Leute schlecht. Eine SEPA-Überweisung geht an ein Konto, das auf jemanden lautet, sie ist nachverfolgbar, und bei einer Meldung steht die Empfängerbank in der Pflicht. Ein Rückruf ist möglich, solange das Geld dort liegt.

Die Aufgabe lautet also: Wie bringt man jemanden dazu, freiwillig in ein Zahlungsmittel zu wechseln, das nicht zurückholbar ist, ohne dass dabei Misstrauen entsteht?

Die Antwort ist die echte Börse. Sie erledigt drei Dinge auf einmal, die sonst nicht zusammengehen.

Sie macht Ihre Bank ruhig. Ihre Bank sieht eine Überweisung an ein reguliertes Finanzunternehmen mit ordentlichem Namen. Kein Alarm, keine Rückfrage.

Sie macht Sie ruhig. Sie laden Ihren Ausweis hoch, machen ein Video-Ident, bestehen eine echte Prüfung. Das fühlt sich an wie Sorgfalt, und es ist Sorgfalt, nur eben die der Börse und nicht die des Anbieters, der Ihr Geld will.

Und sie verwandelt Ihr Geld in etwas, das nach dem Versenden niemand mehr zurückholt.

Der Weg, Schritt für Schritt

Der Kontakt. Eine angeblich falsch zugestellte WhatsApp, eine Dating-App, eine Instagram- oder TikTok-Anzeige, eine Telegram-Gruppe mit Handelssignalen. Über Geld wird tagelang bis wochenlang nicht gesprochen.

Der Betreuer. Ein „Anlageberater” oder „Mentor”, der anruft, morgens schreibt und nach Ihrer Familie fragt. Diese Phase dauert bewusst lange. Sie ist das Einzige, was später den Unterschied macht: Sie vertrauen einem Menschen, nicht einer Website.

Das Börsenkonto. Jetzt sollen Sie bei Kraken, Coinbase oder Bitpanda ein Konto eröffnen. Oft wird Ihnen dabei geduldig geholfen. Sie überweisen von Ihrem deutschen Konto und kaufen Bitcoin, Ethereum oder USDT. Bis hierher ist alles echt, und alles gehört Ihnen.

Die Weiterleitung. Sie bekommen eine Wallet-Adresse und die Anweisung, Ihre Coins auf „Ihr Handelskonto” bei der Plattform zu senden. Das ist der Moment, in dem das Geld weg ist. Diese Wallet gehört nicht Ihnen, und keine Bank sieht diesen Schritt.

Manchmal läuft es anders herum: Man bittet Sie, AnyDesk oder TeamViewer zu installieren, „damit man Ihnen beim Einrichten hilft”. Dann macht es jemand anderes von Ihrem Bildschirm aus, und zwar mit allem, was auf diesem Bildschirm erreichbar ist.

Die Zahlen steigen. Das Dashboard zeigt Gewinne. Eine kleine Auszahlung funktioniert tatsächlich. Das ist der billigste Teil des Ablaufs und der wirksamste.

Die Auszahlung bricht ab. Der große Auftrag wird nicht abgelehnt, sondern an eine Zahlung geknüpft: Quellensteuer, Gebühr für die Geldwäscheprüfung, Versicherung, Kontoupgrade, Liquiditätsnachweis. Auf jede Zahlung folgt die nächste.

Die drei Prüfungen

Diese drei Fragen beantworten zuverlässig, ob eine Wallet Ihnen gehört. Sie brauchen kein technisches Wissen dafür.

Steht die Adresse in Ihrem eigenen Börsenkonto? Eine Einzahlungsadresse, die Ihnen gehört, finden Sie bei Kraken, Coinbase, Bitpanda, Bison, Bitvavo oder Bitcoin.de in Ihrem Konto unter „Einzahlen”. Eine Adresse, die Ihnen jemand per WhatsApp, Telegram oder E-Mail geschickt hat, ist keine davon.

Besitzen Sie die Wiederherstellungswörter? Wenn Sie keine zwölf oder vierundzwanzig Wörter haben, die nur Sie kennen, kontrollieren Sie die Wallet nicht, egal was ein Dashboard anzeigt.

Können Sie ohne Rücksprache auszahlen? Wenn eine Auszahlung eine Freigabe, eine Gebühr oder ein Gespräch mit Ihrem Betreuer voraussetzt, gehört das Geld nicht Ihnen.

Und niemals die Wiederherstellungsphrase

Diese zwölf oder vierundzwanzig Wörter sind Ihre Wallet. Wer sie hat, hat das Geld, sofort und endgültig.

Niemand braucht sie jemals: keine Börse, keine Bank, keine Behörde, kein Support, keine Rückholfirma und auch wir nicht. Jede Nachfrage danach ist kein Warnzeichen mehr, sondern der Diebstahl selbst. Dasselbe gilt für private Schlüssel und für Screenshots einer Wallet-App.

Wenn Sie schon gesendet haben

Zahlen Sie nichts nach. Melden Sie die Empfängeradresse sofort Ihrer eigenen Börse, mit den Transaktions-IDs aus Ihrem Konto. Eine bestätigte Transaktion kann niemand rückgängig machen, aber Börsen sperren gemeldete Adressen, und weitergeleitetes Geld landet fast immer wieder bei einer regulierten Börse, die es auszahlen soll.

Rufen Sie Ihre Bank an, wenn die Überweisung an die Börse noch frisch ist. Erstatten Sie Anzeige. Und sichern Sie alles, bevor Ihr Zugang verschwindet.

Welcher Weg bei Ihnen konkret noch offen ist, steht im Ratgeber zu den Fristen. Oder schildern Sie uns Ihren Fall, dann sagen wir es Ihnen.

Häufige Fragen 4
Sind Kraken, Coinbase und Bitpanda seriös?
Ja, das sind regulierte Unternehmen, und genau darin liegt das Problem. Betrüger schicken Sie bewusst zu einer echten Börse, weil dort alles stimmt: Sie durchlaufen eine echte Identitätsprüfung, Ihre Bank sieht eine ganz normale Überweisung an ein reguliertes Unternehmen, und die Coins gehören zunächst wirklich Ihnen. Die Börse ist nicht der Betrug, sie ist die Station davor.
An welcher Stelle ist mein Geld tatsächlich weg?
Nicht beim Kauf der Coins, sondern beim Weiterleiten. Solange Bitcoin oder USDT auf Ihrem eigenen Börsenkonto liegen, ist nichts passiert. Der Schaden entsteht in dem Moment, in dem Sie die Coins an eine Wallet-Adresse senden, die Ihnen die Plattform genannt hat. Diese Adresse gehört nicht Ihnen, und keine Bank sieht diesen Schritt.
Woran erkenne ich, ob eine Wallet mir gehört?
An drei Dingen. Eine Einzahlungsadresse, die Ihnen gehört, finden Sie in Ihrem eigenen Börsenkonto unter Einzahlen, nicht in einer WhatsApp-Nachricht. Sie besitzen zwölf oder vierundzwanzig Wiederherstellungswörter, die nur Sie kennen. Und Sie können auszahlen, ohne dass jemand etwas freigeben muss. Fehlt eines davon, kontrollieren Sie die Wallet nicht.
Soll ich AnyDesk oder TeamViewer installieren, wenn man mir Hilfe anbietet?
Niemals. Fernwartungssoftware gibt dem Gegenüber vollen Zugriff auf Ihren Bildschirm und damit auf Ihr Online-Banking, Ihre E-Mails und Ihr Börsenkonto. Kein seriöses Institut braucht das, um Ihnen bei einer Einzahlung zu helfen. Wer darauf besteht, will nicht helfen, sondern selbst überweisen.

Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Für eine Beratung im Einzelfall wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt oder an die Verbraucherzentrale. Fehler melden Sie an [email protected]; wie wir damit umgehen, steht unter Korrekturen und Methodik.

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